Gelbe Karte bringt Farbe ins Spiel

Wenn Sport auf Politik trifft / Eine Podiumsdiskussion, organisiert vom Stadtsportverband

Bad Oeynhausen. Wenn der „Sport“ im Vorwahlkampf auf die „Politik“ trifft, dann ist die Zeit für die bekannten Thementeppiche gekommen, die ja durchaus fesseln können, gerade in Bad Oeynhausen: So war es auch auf Einladung des Stadtsportverbands (SSV) im Pavillon der Volksbank Bad Oeynhausen-Herford kein Wunder, dass rund um das Themenquartett „Bäderthema“, „Sportstätten in der Stadt“, „Schule und Inklusion“ und der „Stellenwert der Sportstadt Bad Oeynhausen“ munter, kontrovers und diskussionsfreudig argumentiert und gestritten wurde.

In den sportlichen 90 Talk-Minuten, von Jan Schmale aufmerksam und agil moderiert, stellten sich die vier Bürgermeisterkandidaten den Fragen aus dem Publikum. Klar ist vor einer solchen Diskussionsrunde: Politiker müssen mit einer großen verbalen Routine, rhetorischer Kunst und dem Mut zum Querdenken auftreten, und ganz nebenbei noch das gesamte Publikum für sich einnehmen. Faktensicher sein, fachlich einwandfrei in der „Sache“ bleiben, das müssen sie sowieso. Das ist schon ein Spagat für sich, aber die vier Kandidaten machten in der Kürze der Zeit bei den vier „großen“ Themen eine gute Figur.

Langeweile kam auch nicht auf, denn Stefan Ott als Unabhängiger Kandidat ging sogleich beim Thema „Bäderentwicklung, kommt das Kombibad?“ in die Offensive und hinterfragte kritisch das bisherige Bäder-Konzept und schon 2009 und früher getätigte Ausgaben („55.000 Euro, was ist mit dem Geld passiert?“), und bekam sogleich Contra von Kurt Nagel (CDU), der forderte: „Immer fair miteinander umgehen“, gestützt vom aktuellen BürgermeisterKlaus Mueller-Zahlmann: „Schade, dass sie sich nicht einmal schlau gemacht haben im Rat“. Das auch als „Kombibad“ seit Jahren durchdiskutierte und durchgeplante Topthema der Stadt Bad Oeynhausen, wurde schon 2012 mit einem Beschluss des Rates der Stadt sehr konkret. Kurt Nagel nahm sich einmal die Zeit, diesen vorzulesen. Doch, wie Bürgermeister Mueller-Zahlmann ausführte, wurde dieser „aus haushaltstechnischen Gründen auf 2017 verschoben“. Und für ein neues Sporthallenbad in unmittelbarer Nähe zum Siel stünden 3,3 Millionen (2017) und 3,2 Millionen Euro (2018) zur Verfügung.

Die symbolische Geste des Abends gelang Holger Diekmann, dem 1. Vorsitzenden der BSG Bad Oeynhausen. Er, der seit langem Tatkraft in Sachen Kombibad bei den Politikern vermisst, überreichte den vier Kandidaten jeweils eine Gelbe Karte, mit einem Zeitungsartikel und der Aufforderung nach zügiger Tatkraft in Sachen Bäderthematik versehen. Ein Applaus gab es aus dem Publikum obendrauf.

Den erhielt dann auch wenig später der Olympische Medaillengewinner der Paralympics von 2012, Sebastian Dietz (BSG-Mitglied). Er forderte die vier Ratspolitiker, und insbesondere den Bürgermeister Klaus Mueller-Zahlmann, auf, das Thema Inklusion den Menschen in der Stadt als eine Sache des Herzens zu vermitteln; dass Inklusion ein Auftrag „für die gesamte Gesellschaft ist, nicht nur mit Zahlen und Statistiken zu operieren“ (Dietz). „Ich habe heute von allen vier Kandidaten dazu ein Wort vermisst. Es ist ihr Auftrag, den Leuten das anders zu vermitteln. Der Bürgermeister muss das vorleben.“ Mueller-Zahlmann verwies sogleich auf die von ihm geschätzte Teilnahme am Schulsportfest auf dem Wittekindshof, dass als inklusives Fest sehr gut sei und alle Menschen zusammenbringe.

Das Thema Frühschwimmen wurde dann von Stefan Redeker vom DLRG Bad Oeynhausen thematisiert, es könne nicht sein, dass man im Sielbad erst ab 12 Uhr zum Schwimmen gehen könne. Redeker: „In Löhne und Valdorf kann man ab sechs Uhr morgens Schwimmen gehen“. Bürgermeister Mueller-Zahlmann verwies daraufhin auf die Möglichkeit des Frühschwimmens im Freibad Lohe zwischen sechs und acht Uhr. Anschließend lobte der Bürgermeister beim Thema „Sportlandschaft“ die vielen Facetten und Sportangebote der Stadt, ausdrücklich die der Baskets. „Gehen sie dort mal hin, ich habe da noch keinen von Ihnen gesehen, abgesehen von den hier sitzenden Basketballern“, forderte er und erwähnte auch die Schützenvereine, den Aero-Club, der abends noch als 31. Verein dem SSV beitrat, wie Hans Milberg verkündete, die vielen Tennisvereine und betonte, dass er trotz der Empfehlung des Gemeindeprüfberichts keine Sportstätten zurückbauen wolle.

Der unabhängige Kandidat Stefan Ott forderte indes eine „moderne Sportstättenverwaltung“, man solle auch mal „interkommunal die Fühler ausstrecken“, was anderswo gehe. Achim Wilmsmeier (SPD, Grüne, Linke, BBO und UW) gab zuvor beim Thema „Bäder“ zu bedenken, dass der Bedarf wachse: Das Kombibad im Siel solle ein funktionales Bad sein, inklusive Rehasport-Möglichkeiten. So wie es der Beschluss von 2012 vorsehe. Nun läuft die Uhr weiter, die Gelben Karten sind raus. „Besser als gleich die Rote Karte“, sagte Diekmann augenzwinkernd. Ob er die 2017/18 verteilen wird, das wird nun die nahe Zukunft zeigen.

 

© 2015 Neue Westfälische12 – Bad Oeynhausen, Samstag 15. August 2015